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Von innerer Geradheit und Mitgefühl und einem mutigen Gebet || Of Confidence And Compassion And A Courageous Prayer – re|dis|covery by Mirijam Buschmann


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Von innerer Geradheit und Mitgefühl und einem mutigen Gebet

Die vergangenen Wochen sind turbulent gewesen. Äußerlich nicht so sehr, dank Covid und meinem vollen Terminkalender – abgesehen von langen Spaziergängen im Wald bleibe ich momentan meistens innerhalb von 15 Minuten Laufentfernung von zu Hause (4 Minuten zur Arbeit, 8 Minuten zum näheren Supermarkt, 15 Minuten zum weiter entfernten Supermarkt, 0 Minuten zu all den Zoom und WebEx und Skype Meetings und den guten alten Telefonaten). Aber innerlich.

Wie ich schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, erstaunt es mich immer wieder, dass ich überhaupt in der Lage bin, meine aktuelle Arbeit als Psychotherapeutin in Ausbildung zu praktizieren – und dass ich es gerne tue. Vor nicht allzu langer Zeit war ich diejenige, die vor jedem Gespräch Angst hatte, weil ich in einer vollkommen unnatürlichen Beziehung zu mir selber stand. Das ließ meine Unsicherheit in jeder anderen Beziehung in die Höhe schnellen. Ich war diejenige, die sich in einem permanenten Zustand des Unbehagens befand und jedes einzelne Wort, das ich sagen könnte oder versäumen könnte zu sagen, bewertete und verurteilte – gefangen in mir selbst und daher nie wirklich fähig, in einer Unterhaltung völlig präsent zu sein. (Allein die Erinnerung daran, wie ermüdend es war, macht mich erschöpft.) Ich fühlte mich innerlich verbogen, wohingegen ich jetzt aufrecht und gerade stehen kann, als die Person, die ich bin. Ich fühle mich vollständig, mit mir selber versöhnt. Ich gehe durch die Gänge der Klinik, in der ich arbeite, ich schließe die Tür zu meinem Büro auf, ich heiße einen Patienten willkommen – und ich lächle (unter der FFP2-Maske), ich bin Gott unendlich dankbar, und ich mag es, ich selbst zu sein. Ich muss diesen Bibelvers noch mal teilen, einfach weil er meine Geschichte so wunderbar ausdrückt:

Römer 5,2 Aufrechten Hauptes

Die Unsicherheit und die inneren Bewertungen, die jedes Wort, das ich sage, in Frage stellen, sind auf keinen Fall weg. Im Gegenteil, in den letzten Wochen, die ziemlich stressig und herausfordernd waren, sind sie wieder besonders oft aufgetaucht. In den betreffenden Situationen fühlen sie sich immer noch normal und richtig an. Aber nach einer Weile lassen sie nach und klingen aus. Auch wenn sie sich manchmal akkumulieren, bleiben es einzelne Gedanken und nicht der allgemeine kognitive Grundton. Gnade ist offensichtlich am Werk. Es ist nicht nur erstaunlich und wunderbar, mit mir selber im Einklang zu sein, verwurzelt in Gottes Gnade statt meiner alten Härte, sondern auch, dass ich in Gesprächen richtig anwesend sein kann – eine notwendige Voraussetzung für meine aktuelle Tätigkeit. Ein Konzept, das ganz ähnlich ist wie Gnade für mich selber, ist Selbst-Mitgefühl. Ich habe diesen Begriff kürzlich entdeckt und er hat etwas in mir berührt (und kurz danach wurde er ein wesentliches Schlagwort in zwei unterschiedlichen Seminaren). Im Kontext meiner Arbeit mit Patienten ist das Bedeutsame daran: Wenn ich mir selber Gnade und Mitgefühl zugestehe, schafft das Raum in mir für wahres Mitgefühl mit den Patienten, denen ich begegne. Es schafft Raum dafür, dass es nicht darum geht, ob ich etwas richtig oder falsch mache, sondern dass es um sie geht.

Nichtsdestotrotz bin ich nach wie vor kein großer Experte darin, mit Fehlern, die ich mache, umzugehen 😛 Ich würde gerne sagen können: „Ich habe einen Fehler gemacht, ich habe daraus gelernt, und ich kann mir immer noch in die Augen schauen und Frieden mit mir selber haben. Ich kann akzeptieren, dass ich Mensch bin und daher manchmal Fehler mache.“ Aber selbst wenn ich mich für diese Gedanken entscheide, folgt mein Gefühl nicht, und jeder Fehler fühlt sich an wie das Ende der Welt oder vielmehr meiner Existenz.

Kürzlich gab es eine Situation, in der mir ein dummer Fehler unterlief. Das Unnötigste daran war aber gar nicht der Fehler selber, sondern das massive Schuldgefühl, das ich danach verspürte, vor allem weil die ganze Sache nicht einmal negative Konsequenzen hatte. Dennoch war die empfundene Schuld darüber, etwas „Verbotenes“ getan zu haben, absolut lähmend. Ich versuchte mir vorzustellen, wie der Fehler ins tiefste Meer geworfen wird und sich dort auflöst, aber es machte keinen Unterschied. Dann betete ich: „Jesus, lass deine Gnade das Schuldgefühl, dass sich anfühlt, als würde es mich ersticken, auflösen. Hilf mir, mir zu erlauben, Fehler zu machen. Selbst Fehler, die keinen Sinn ergeben oder keinen angemessenen Grund haben.“

Auch wenn ich lange nicht an dem Punkt bin, den ich mit dem Gebet beschrieben habe, sind allein die Bereitschaft und Fähigkeit, Gott um so etwas zu bitten, ein riesiger Unterschied zu früher! Es zeigt, dass ich mir diese Fehlbarkeit gerne zugestehen würde. Schon dieser Wunsch beinhaltet eine bedeutsame Portion Gnade und Selbst-Mitgefühl. Es gab eine Zeit, als allein die Vorstellung, mir Fehler zuzugestehen, sich anfühlte, als würde meine ganz Welt zerbröckeln. Jetzt fühlte sich das Gebet zwar immer noch gefährlich an, aber richtig, und auch ein bisschen aufregend, im positiven Sinne – ich bin neugierig, zu erleben, wie Gottes Gnade noch mehr in mir wirken wird.

Nach dem Gebet entwickelte sich ein Bild vor meinem inneren Auge. Ich sah, wie ich wie ein kleines Kind in Jesu Arme lief und sagte, „Jesus, ich hab was Dummes gemacht.“ Zuerst war ich so beschämt, dass ich Jesus nicht in die Augen sehen konnte. Aber der nachfolgende Dialog und Seine Handlungen waren so voller Zärtlichkeit, Zuneigung und Liebe, dass meine Scham und Härte am Ende zumindest so weit schmolzen, dass ich mich von Ihm umarmen lassen konnte. Ein berührendes Bild, das mir neben dem Schuldthema auch deshalb so viel bedeutete, weil es dank Corona ewig her ist, dass ich eine tatsächliche Person umarmt habe. (Nebenbei bemerkt, ist das ziemlich verrückt in Anbetracht der Tatsache, dass eine Zeit lang der hauptsächliche aufrechterhaltende Faktor meiner Anorexie der Wunsch war, umarmt und gehalten zu werden – jetzt habe ich weder die Essstörung noch die Umarmungen, und dennoch überlebe ich.)

So weit erst mal. Mehr über aktuelle Schlüsselmomente und -erkenntnisse 🗝 folgt, wenn ich die Zeit – und die Worte – finde.


Of Confidence And Compassion And A Courageous Prayer

The past weeks have been turbulent. Not so much on the outside, thanks to covid and my full schedule – other than taking long walks in the forest, I mostly remain within 15 minutes walking distance of home (4 minutes to work, 8 minutes to the closer supermarket, 15 minutes to the supermarket that is further away, 0 minutes to all the Zoom and WebEx and Skype meetings and good old phone calls). But on the inside.

First of all, I still never fail to be amazed that I am able to do the work I do now, as a psychological therapist in training – and loving it. Not so long ago, I was the girl who was afraid of every conversation because I was in a completely unnatural relationship with myself, causing my insecurity in every other relationship to soar. I was the girl who was in a constant state of unease, appraising and judging every single word I said or might say or might fail to say – caught in my mind and therefore never fully able to be present in the conversation. (Just recalling how exhausting it was makes me feel exhausted.) I felt warped and bent on the inside, whereas now I can stand tall and upright as the person I am. I feel whole, reconciled to myself. I walk around in the halls of the clinic I work at, I unlock the door to my office, I welcome a patient – and I smile (beneath the KN95 mask), I feel incredibly thankful to God, and I like being myself. I just have to share this Bible verse again, it captures my story so well:

Romans 5,2 Standing Tall

Those insecurities, those judging thoughts that question every word I say – they are by no means gone. On the contrary, in the past weeks that have been extremely stressful and challenging in various ways, they have surfaced many times again. They still feel normal and right in those situations. But after a while, they pass. Even though they aggregate in some instances (a lot so lately), they remain individual thoughts and not the underlying tenor of my whole cognition. Grace is obviously at work. It is amazing not only to feel at ease with and in myself, confident about who I am, rooted in God’s grace instead of my old harshness, but also to be able to actually be present in conversations – a necessary prerequisite for my current work. A concept very similar to grace for myself is that of self-compassion. I recently discovered this term and it touched something in me (and shortly afterwards, it turned out to be one of the main words in two different seminars). In the context of my work with patients, the significant thing is that granting myself grace and compassion makes room in me for true compassion for the patients I see. It makes room for it to not be about me doing something wrong or right, but about them.

That being said, I am still not very good at dealing with mistakes I make 😛 I would like to be able to say, “I have made a mistake, I have learned from it, and I can still look myself in the eye and be at peace with myself. I can accept that I am human and therefore make mistakes at times.” But even when I choose these thoughts, my feelings don’t follow, and every mistake feels like the end of the world, or rather, of my existence.

Recently, there was a situation where I made a really silly mistake, but the even more unnecessary thing was the intense guilt I felt afterwards, especially because it didn’t even have any bad consequences. Yet the sense of guilt I felt for doing something “forbidden” was absolutely crippling. I tried to picture the mistake being thrown into the deepest sea and dissolving there, but it didn’t make any difference. Then I prayed, “Jesus, let Your grace dissolve the sense of guilt that feels like it’s suffocating me again. Help me allow myself to make mistakes. Even mistakes that don’t make sense or have an adequate reason.”

Even though I am not at the point where this prayer is completely fulfilled, alone the ability and willingness to ask God for such a thing is a massive difference from what it would have been like in the past! It shows that I want to be able to give myself permission to make mistakes. This wish in itself already contains a significant portion of grace and self-compassion. There was a time when just the idea of allowing myself to make mistakes felt like my whole world would crumble. Now, the prayer still felt dangerous, but right, and also exciting in a positive way – I am curious to experience more of God’s grace working in me.

After the prayer, an image developed in front of my inner eye. I saw myself running into Jesus’ arms like a little child, saying, “Jesus, I have done something stupid.” At first, I was so ashamed that I couldn’t look Jesus in the eye. But the ensuing dialogue, and His actions, were so full of tenderness and love that in the end, it melted my shame and harshness at least so much that I was able to let Him embrace me. A touching image, especially given that, aside from the guilt issue, it has been such a long time since I have hugged an actual person, thanks to corona. (Which, on a side note, is pretty crazy given that once upon a time one of the main sustaining factors of my anorexia was the desire to be embraced, held – now I have neither the ED nor the hugs, and still I am surviving.)

So much for now. More content on recent key moments and realizations 🗝 is to come when (if) I find the time – and the words.



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